Dr. Jorge Ferreiro im Interview
Nach einem Jahr in der Position als CEO von Membrapor gibt Dr. Jorge Ferreiro Einblick in seine Tätigkeit. In diesem Interview teilt er seine Erfahrungen aus einem bewegten Jahr an den Märkten und einem aktiven Jahr aus Sicht von Membrapor. Welche Schlussfolgerungen hat er daraus gezogen, und wohin steuert das Unternehmen als Nächstes?
Jorge, vor einem Jahr hast du das erste Kapitel deiner Reise als CEO bei Membrapor betitelt mit «Wir heben ab.» Wie verläuft die Reise?
Bisher kann ich mich nicht beklagen. Wir konnten bereits letztes Jahr im Vergleich zum Vorjahr den Umsatz um einige Prozente steigern und haben gleichzeitig wichtige Veränderungen innerhalb der Organisation vorgenommen. Schlüsselpositionen wurden neu besetzt und wir konnten die Kunden von der Neuausrichtung überzeugen. Und trotzdem gab es wie bei jeder Flugreise auch Luftlöcher. Die internationalen Krisen und Unsicherheiten haben nicht abgenommen und machen das Exportgeschäft als Schweizer Hersteller zur grossen Herausforderung.
«Unabhängigkeit, Stabilität und Innovation sind unser Erfolgsrezept.»
Dr. Jorge Ferreiro, CEO der Membrapor AG
Ein klares Ziel von dir war oder ist Wachstum. Gibt es im Moment tatsächlich Wachstumstreiber?
Einen klaren Treiber gibt es nicht. Die zyklischen Industrien sind momentan eher zurückhaltend mit Investitionen. Das merken unsere Kunden und wir als Zulieferer. Und doch konnten wir letztes Jahr mit gezielten Kundenbesuchen mehrere langjährige Kunden neu aktivieren und so zu Treibern machen. Geographisch sehen wir momentan ein starkes Wachstum in Indien. Unser Verkauf hat die letzten Monate viel Zeit investiert und grossartig gearbeitet!
Du hattest ein erklärtes Ziel und das war Kundenbindung. Wie sieht das bei Membrapor aus?
Die Kunden werden ernst genommen! Wir sind aktiv unterwegs. Das geht nur durch ein gezieltes Monitoring der Bestellungen, Gesprächen mit Kunden und gleichzeitiger Beobachtung von Markttrends. Dafür setzen wir bei Membrapor diverse Werkzeuge ein:
- Direkter Kundenkontakt, sei es vor Ort oder online.
- Kontinuierliches Monitoring der Verkaufszahlen.
- Einsatz von KI-Agenten für die Recherche und die Früherkennung von neuen Trends.
Gleichzeitig haben wir unsere Marketingaktivität verstärkt. Damit treffen wir einen Nerv. Sogar langjährige Kunden sehen, was wir sonst noch alles können.
Membrapor fokussiert sich seit 30 Jahren auf elektrochemische Gassensoren. Ist dieses Produkt nach wie vor aktuell?
Absolut! Marktanalysen zeigen, dass die elektrochemischen Sensoren knapp 35% aller eingesetzten Sensoren für Gasdetektion ausmachen. Der Trend zu mehr Information wächst stetig und somit wird auch hier ein Wachstum erwartet. Elektrochemische Sensoren sind sehr robust und können auch in sehr aggressiven Umgebungen eingesetzt werden. Andere Technologien wir Infrarot oder Photoionisation sind aus meiner Sicht komplementär und decken Gase ab, die elektrochemisch schlecht oder nicht detektierbar sind. Dieser Technologiemix wird auch in Zukunft bestehenbleiben.
Ein weiterer Indikator sind die Konsolidierungen am Markt: alle unsere grossen Mitbewerber wurden in den letzten Jahren von grösseren Playern aufgekauft. Das zeigt die grosse Relevanz von elektrochemischen Sensoren.
Wie stellst du sicher, dass Membrapor ein top player in der Industrie bleibt?
Wir bauen unser Geschäftsmodell auf drei Kernaspekten auf:
- Unabhängigkeit: wir sind ein familiengeführtes KMU mit einer schlanken Hierarchie. Das erlaubt es uns schnell und agil auf Veränderungen zu reagieren.
- Stabilität: wir liefern Produkte mit höchster Qualität; schnell und ohne Mindestmengen.
- Innovation: mit einem selbstorganisierten Entwicklungsteam und einer klaren Vision fokussieren wir unsere Ressourcen gezielt.
Wir werden weiterhin in verschiedenen Segmenten tätig sein und uns mit Knowhow als Champions positionieren.
Was ist deine Reaktion auf die Lockerung der «Swissness-Regel», sprich, dass Produkte, die in Schweiz entwickelt, aber zum Beispiel in China produziert werden, das Schweizerkreuz tragen dürfen?
Das ist enttäuschend. Dadurch verliert das international anerkannte Qualitätssiegel „Swiss Made“ an Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig schafft es keinen Anreiz für Schweizer Unternehmen, wie wir, in der Schweiz zu produzieren.
Was sind die nächsten Destinationen auf der Membrapor-Reise?
Unser Highlight dieses Jahr ist die Sensor + Test Messe in Nürnberg. Dort werden wir mit neuer Frische auftreten und einige Produktneuheiten präsentieren. Ich möchte hier nicht zu viel verraten. 2026 ist bei uns intern das Jahr der Aufräumarbeiten: wir sind gerade dabei Prozesse zu straffen und mit der Einführung eines ERP-Systems auch gewisse Konsolidierungen und Vereinfachungen durchzuführen. Damit wollen wir den Grundstein für eine weitere Expansion unserer Geschäftstätigkeit legen. Ich kann mich glücklich schätzen, ein moviertes Team um mich zu haben, das Membrapor wie eine Lokomotive zieht.
Vielen Dank für die Einblicke, Jorge!
Gern geschehen.

